Tausenderpunkt und Dezimalkomma

Man stößt immer wieder auf den Hinweis, zuletzt habe ich ihn im (sehr empfehlenswerten) Englisch-Blog gelesen: Punkt und Komma als Dezimaltrennzeichen und als Tausendertrennzeichen werden im Deutschen genau „umgekehrt“ verwendet wie im Englischen. Hierzulande kennzeichnet ein Komma den Wechsel vom ganzzahligen Teil einer Zahl zum gebrochenen Teil, den sogenannten Nachkommastellen, während im Englischen an gleicher Stelle ein Punkt gesetzt wird. Und wo deutsche Finanzminister einen Punkt setzen, um bei den Staatsschulden die je drei Stellen von Tausendern, Millionen, Milliarden usw. abzugrenzen, setzt der britische Schatzkanzler ein Komma.

Komma zur Kennzeichnung der Dezimaltrennstelle und Punkt(e) zur dreistelligen Gliederung von langen Ziffernfolgen, so wird es in Deutschland vielfach gehandhabt und (auch von mir) als richtig empfunden. Doch genau genommen sagen unsere offiziellen Vorschriften zur Tausendertrennung etwas anderes. Der Duden übernimmt hier die Vorgaben von DIN 1333 (Zahlenangaben), wonach weder ein Punkt noch ein Komma, sondern statt dessen ein (schmales) Leerzeichen („kleiner Festabstand“) zu setzen ist. Nur bei Geldbeträgen können gemäß DIN 5008 (Schreib- und Gestaltungsregeln für die Textverarbeitung) „aus Sicherheitsgründen“ auch Punkte zur Gliederung verwendet werden. (Peer Steinbrück macht es also in jedem Fall richtig ;) )

Wer Leerzeichen verwendet, sollte jedoch unbedingt darauf achten, dass es nicht zu unerwünschten Zeilenumbrüchen mitten in einer Zahl kommt. Dies lässt sich am besten durch geschützte Leerzeichen in der Textverarbeitung (STRG+UMSCHALT+Leertaste in WORD) oder ein   in HTML verhindern.

Zum Thema noch drei Anmerkungen:

  1. In der Schweiz wird zur Tausendertrennung bisweilen ein Hochkomma / Apostroph verwendet.
  2. Die Dreiergliederung von Ziffernfolgen gilt auch rechts vom Dezimaltrennzeichen.
  3. Manche Sprachvorschrift darf man nicht dogmatisch befolgen, denn sonst könnte man auch die Ziffernfolgen von Postleitzahlen oder vierstelligen Jahreszahlen mit einem Tausenderpunkt versehen. Für andere vielstellige Ziffernsysteme wie Bankleitzahlen, Telefonnummern, ISBN-Nummern usw. gibt es überdies spezifische Gliederungsregeln.

Wie auch immer man dies handhabt, ganz wichtig ist es – und diesen Fehler sehe ich häufig in Diplom-, Master- und Bachelorarbeiten –, eine einmal gewählte Schreibweise einheitlich durchzuhalten. Offenbar wird beim Einkopieren von Ziffernfolgen aus englischsprachigen Quellen leicht vergessen, die Schreibweise der Zahlen anzupassen. Doch dies belegt weniger eine Kenntnis der internationalen Fachliteratur als mangelnde Sorgfalt.

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